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Die Breitrandschildkröte
(Testudo marginata, SCHOEPFE 1792)
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Familie: Landschildkröten (Testudinidae)
Gattung: Europäische Landschildkröten (Testudo)
Art: Breitrandschildkröte (Testudo marginata)
Unterarten:   Keine

Die Breitrandschildkröte gehört zu den mediterranen Landschildkrötenarten (Gattung Testudo). Sie ist mit Abstand die grösste Landschildkröte im mediterranen Raum. Wenn die Haltungsansprüche beachtet und ihrer Grösse Rechnung getragen werden, ist diese Schildkrötenart für Einsteiger eine geeignete Schildkröte zur Haltung in Menschenobhut.

Vorkommen:

  • Südliche Griechenland (vom Peloponnes bis zum Olymp)
  • Angrenzendes südliches Albanien
  • Kroatien

Lebensweise:

Die Breitrandschildkröte kommt wie alle mediterranen Landschildkröten im warmgemässigtem, mediterranen Klima vor. Sie lebt in bergigen Regionen in buschigem, steinigem Hügelland oder in naturbelassenen und bewachsenen Stranddünen. Breitrandschildkröten sind grundsätzlich sehr wärmebedürftige Schildkröten, sind aber auch bereits bei kühleren Temperaturen aktiv. Sie halten in freier Natur während der kalten Jahreszeit eine Winterstarre, die aber an wärmeren, sonnigen Wintertagen für ein Sonnenbad unterbrochen werden können.

Unterscheidungsmerkmale der Breitrandschidkröte
im Vergleich zu den anderen mediterranen Landschildkrötenarten
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Unterscheidungsmerkmale der Geschlechter
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Gehege

Ziel einer Freilandanlage für Breitrandschildkröten muss es sein, ihren natürlichen Lebensraum in den Mittelmeergebieten als möglichst naturnahe Landschaft nachzubilden. Die Nachbildung der Natur allein genügt in unseren Breitengraden jedoch nicht, denn unser mitteleuropäisches Klima ist für die wärmebedürftigen Landschildkröten meistens zu kalt, zu niederschlagsreich und weist eine zu geringe Sonnenscheindauer auf. Wir müssen deshalb auf technische Hilfsmittel zurückgreifen, um trockene Bereiche mit erhöhten Temperaturen zu schaffen. Ein Frühbeetkasten mit Wärmelampe ist die einfachste Möglichkeit, dies zu erreichen. Der Treibhauseffekt erhöht bei geringer Sonnenbestrahlung sofort die Temperaturen im Frühbeetkasten, die Wärmelampe überbrückt Schlechtwetterperioden.

Eine Innen- bzw. Terrarienhaltung ist für die artgerechte Haltung von Breitrandschildkröten nicht geeignet. Saisonale Temperaturschwankungen, ab- oder zunehmende Sonnenscheindauer sowie die nächtliche Abkühlung ist für diese Schildkrötenart wichtige klimatische Bedingungen, die nur durch eine konsequente Aussenhaltung ermöglicht werden können. Ausserdem vermag eine Innenhaltung dem grossen Bewegungsdrang dieser grossen Landschildkröten kaum gerecht zu werden. Balkone eignen sich zur Schildkrötenhaltung nur, wenn diese windgeschützt und gut besonnt sind und für die Realisierung eines grösseren Geheges genügend Platz bieten.

Griechische Landschildkröten müssen zur artgerechten Haltung während ihrer Aktivitätsphase dauernd, das bedeutet Tag und Nacht, draussen gehalten werden.

Weitere Informationen zum Gehegebau entnehmen Sie dem Merkblatt "Die Freilandanlage für mediterrane Landschildkröten"

Fütterung

Mediterrane Landschildkröten sind Pflanzenfresser. Ihr vegetationsreicher Lebensraum bietet eine Fülle von Wiesenkräutern, Blütenpflanzen, Blättern, sogar Samen und Wurzeln, welche die mediterranen Landschildkröten als Nahrungsquelle nutzen. Im Jahresverlauf wechselt das Angebot von üppigem Grün zu kargen, dürren Gräsern und Blättern. Im Frühjahr herrschen frische Jungpflanzen mit Blütenständen vor, während in den Sommermonaten durch die Sonne vertrocknetes, rohfaserreiches Wiesenheu als nährstoffarmes Futterangebot überwiegt. Im Herbst hingegen lassen die ersten ausgiebigen Regenschauer die im Boden zahlreich vorhandenen Samen erneut zu frischem Grün heranwachsen. Die Natur soll unser Vorbild sein und deshalb muss auch die Fütterung in Menschenobhut der Ernährung in freier Natur entsprechen. Die Ernährung ist wohl einer der wichtigsten Punkte, die bei der Haltung von Landschildkröten zu berücksichtigen sind, um ihnen auch in Menschenobhut ein langes, gesundes Leben zu gewährleisten. Bei der Fütterung der Schildkröten ist einerseits auf die Zusammensetzung der Futterarten sowie andererseits auf die Futtermenge Acht zu geben.

Weitere Informationen zur Fütterung entnehmen Sie dem Merkblatt "Ernährung mediterraner Landschildkröten"

Vermehrung und Aufzucht

Die Aufzucht von Breitrandschildkröten sollte sich an der Natur orientieren. Schildkrötenaufzuchten, die in Gestalt und Farbe den Tieren in freier Natur entsprechen, sind das Ergebnis einer artgerechten und nachhaltigen Schildkrötenhaltung. Die Lebensbedingungen von Jungtieren der Breitrandschildkröte in freier Natur weichen nicht grundsätzlich von jenen der geschlechtsreifen Schildkröten ab. Ab erstem Lebenstag ernähren sich die Jungtiere gleich wie ihre Elterntiere und auch sie halten während der kalten Jahreszeit bereits im ersten Jahr eine Winterstarre. Einen wichtigen Unterschied gibt es allerdings: Jungtiere haben einen höheren Feuchtigkeitsbedarf. Ausserdem müssen Jungtiere aufgrund ihrer geringen Grösse vor Fressfeinden geschützt werden.

Mit dem Versuch, Schildkröteneier erfolgreich auszubrüten, übernimmt der Schildkrötenhalter die Verantwortung, alles zu tun, um die Schlüpflinge artgerecht zu halten und zu gesunden, geschlechtsreifen Schildkröten heranwachsen zu lassen. Verantwortungsbewusste Schildkrötenhalter erzielen deshalb nur so viele Nachzuchten wie sie selber halten oder an andere Halter abgeben können. Zu viele "überzählige" Schildkröten finden immer noch den Weg in die Auffangstationen der SIGS oder werden einfach ausgesetzt. Es ist wünschenswert, dass sich die Schildkrötenhalter selber eine Beschränkung auferlegen und, wenn überhaupt, nur in geringer Zahl Eier ausbrüten.

Weitere Informationen zur Vermehrung und Aufzucht entnehmen Sie dem Merkblatt "Vermehrung und Aufzucht von mediterranen Landschildkröten"

Überwinterung

Kalte Temperaturen und fehlendes Futterangebot zwingen die wechselwarmen Wirbeltiere, die kalte Jahreszeit in der sogenannten Winterstarre zu überdauern. In diesem Zustand verharren sie regungslos, die Körpertemperatur gleicht der tiefen Temperatur der Umgebung. Herzschlag, Atmung und Stoffwechsel sind stark reduziert. In freier Wildbahn halten die Breitrandschildkröten bedingt durch die tiefen Wintertemperaturen in ihrem Lebensraum eine Winterstarre. Dies gehört zum natürlichen Jahreszyklus dieser Schildkröten.

In Winterstarre fallen sowohl geschlechtsreife Tiere als auch Schlüpflinge bereits im ersten Winter nach dem Schlupf. Deshalb sollen die Breitrandschildkröten jeden Alters auch in Menschenobhut eine kontrollierte Winterstarre halten können. Breitrandschildkröten die Winterstarre zu verwehren ist Tierquälerei. Es gibt nur einen einzigen Grund die Überwinterung künstlich zu verhindern, nämlich dann, wenn eine Schildkröte vor der Überwinterungsphase erkrankt oder verletzt ist.

Weitere Informationen zur Winterstarre entnehmen Sie dem Merkblatt "Die Überwinterung von mediterranen Landschildkröten"

Geographische Variation: Die Zwergbreitrandschildkröte

Als Zwergbreitrandschildkröte wird eine kleinbleibende Population der Breitrandschildkröten. Sie wurde vor einigen Jahren als Unterart Testudo marginata weissingeri beschrieben. Genetische Untersuchungen widerlegten den Unterartstatus. Vielmehr handelt es sich um eine umweltdingte, kleine Regionalform der Breitrandschildkröte, welche in einem kleinen Gebiet auf der Halbinsel Peloponnes vorkommt.

Artenschutzstatus: CITES (Anhang 2)

Die Breitrandschildkröte ist in ihren Ursprungsländern noch mehr als die anderen mediterranen Landschildkrötenarten vom Aussterben bedroht. Ihr flächenmässig kleines Verbreitungsgebiet mit den von ihr bevorzugten Lebensräumen (südlich ausgerichtete Berghängen und naturbelassene Stranddünen) sind touristisch begehrte Landschaften, die durch vermehrte Besiedlung und touristische Nutzung immer mehr verloren gehen.